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HU 1991
Arabeszk



Iván Sándor, Arabeszk (Arabesque)

Roman, 281 S. (Ungarn, 1991)
Exposé


Die junge Frau, die im Hof des Forsthauses wartet, ist Vera, die Kostümbildnerin. Sie ist dreissig und kommt aus Budapest. Mit sechzehn erfuhr sie, dass ihre Eltern ihre Pflegeeltern sind. Nun erfährt sie, dass ihr totgeglaubter Vater, Zoltán Fazekas, am Leben ist. Sie ist auf der Suche nach ihm und findet ihn hier.
Beide versuchen, das Leben des anderen nachzuvollziehen, damit eine Vater-Tochter-Beziehung entstehen kann. Sie beginnen, die Mosaiksteinchen ihrer gemeinsamen Lebensgeschichte zu einem Ganzen zusammenzufügen, doch die Lücken sind zahlreich. Ihr Schicksal ähnelt einem unlösbaren Rätsel.
Das Leben von Zoltán Fazekas ist mit den Erinnerungen an die in den 50-er Jahren im Knast verbrachte Zeit belastet. Er verließ die Schule, wo er unterrichtete, denn er war nicht gewillt, die selbst erlebten politischen Ereignisse, seinen Schülern verfälscht zu vermitteln. Er zog sich in sein Häuschen am Plattensee zurück und arbeitete seither dort als Förster.
In diesem Forsthaus verbringt jetzt Vera die Nacht mit ihrem Freund Pista und dem wiedergefundenen Vater. Dies ist eine merkwürdige Nacht. Pista wird eifersüchtig, als er der -seiner Meinung nach- weit über eine Vater-Tochter-Beziehung hinausgehenden gegenseitigen Zuneigung zwischen der jungen Frau und dem wesentlich älteren Mann begegnet.
Vera wirft Zoltán vor, er hätte nicht alles unternommen, um sie nach ihrer Geburt zu finden. Der Grund dafür sei, so erfährt sie von ihm, dass er bei ihrer Geburt, bei der ihre Mutter starb, bereits inhaftiert war.
Beide, Zoltán und Vera sehnen sich nach Herzenswärme. Schließlich kommen die beiden sich so nah, dass sie die immernoch ungeklärten Momente der Vergangenheit als schier unerträglich empfinden.
Weitere Nachforschungen bringen zu Tage, dass Zoltán doch nicht Veras Vater ist, denn bei der Geburt ist außer seiner Frau auch seine Tochter gestorben. Die wahre Mutter von Vera ist nicht Zoltáns Frau. Veras Mutter wurde nach der Geburt ins Gefängnis zurückgebracht, wo sie auf ihren politischen Prozess wartete. Als Entschädigung für den Tod seines Kindes wurde Vera mit gefälschten Papieren Zoltán „geschenkt“. Er konnte sich jedoch nur kurze Zeit um sie kümmern, denn er wurde 1952 festgenommen. Man steckte Vera in ein staatliches Heim und von dort kam sie später zu ihren Pflegeeltern. Als er dann beim ungarischen Aufstand im Jahre 1956 freikam, suchte er überall nach seiner Tochter. Da ihre Geburtsurkunde nicht mehr aufzufinden war, verlor er ihre Spur.
Der Wunsch endlich Klarheit in ihr Leben zu bringen, weicht allmählich der Bestürzung darüber, welche Kapriolen das Leben zu schlagen vermag, denn kaum erhält Vera ihre wahre Identität zurück, muss sie sich damit abfinden, dass nunmehr alles untentwirrbar ist. Das Bewußtwerden der Verluste sowie die Sehnsucht nach Herzenswärme steigern sich zum Höhepunkt als sowohl der vermeintliche Vater, als

auch die vermeintliche Tochter erfahren, dass sie doch nicht miteinander verwandt
sind. Erneut verlieren sie sich, jetzt aber endgültig.
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„Arabesque“ ist ein Roman über vereinsamte Menschen und ihre Suche nach sich selbst in den Wirren der ungarischen Geschichte in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Durch den fehlgeschlagenen Versuch, sich mit ihrer Vergangenheit zu identifizieren, suchen die Protagonisten nach Geborgenheit und Zuneigung als letzte Rettung.




Kritiken / Reviews:

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<-- Iván Sándor