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Követés Spurensuche Filature Legacy



Iván Sándor: Követés (Spurensuche, eine Nachforschung)

Roman, 273 S. (Ungarn, 2006)
Exposé

An einem herbstlichen Nachmittag des Jahres 2002 schreitet ein älterer Mann die Donau-Promenade in Budapest entlang. Plötzlich wird er von einem jungen Radfahrer fast umgefahren. Der beinahe Unfall lässt in ihm die Erinnerung an einen anderen Radfahrer aufblitzen. Dieser fuhr auch hier vorbei - nur 58 Jahre früher. Er trug die Armbinde der ungarischen Nazis, der Pfeilkreuzler...Er war einer, der die Juden zum Versammlungsort in die budapester Ziegelfabrik getrieben hatte.
In der Menge schreitet ein Vierzehnjähriger zusammen mit seinen Eltern. Er ist es, der nach Jahrzehnten am Donauufer steht und sich bald auf den Weg macht, um den Pfad seines Schicksals vor 58 Jahren neu zu begehen.

Die Handlung von Spurensuche ist im Dezember 1944 angesiedelt.
Der Ich-Erzähler folgt dem Weg des vierzehnjährigen Jungen - sein früheres Selbst - und dem, eines gleichaltrigen Mädchens. Er ermittelt unter welchen Gefahren der legendäre Carl Lutz, damals schweizer Vizekonsul in Budapest – dem er und seine Familie nebst mehreren Zehntausenden budapester Juden ihr Leben verdanken – seine rettende Tätigkeit ausgeübt hatte.
Während er mit den mächtigen Nazis verhandelt, erscheint Carl Lutz auch in der Ziegelfabrik, um zusammen mit Friedrich Born, dem Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes, die dort versammelten Juden zu retten. Diese sollten per Fußmarsch gen Deutschland getrieben werden.
In diesen Todeszug gerät der vierzehnjährige Protagonist zusammen mit seiner kleinen Freundin. Carl Lutz kann den Beiden Schutz gewähren. Die Odyssee beginnt im von den Russen bereits unter Feuer genommenen Budapest. In Luftschutzkellern, Lagerschuppen, in Heimen vom Roten Kreuz tauchen die Jugendlichen unter. Tag für Tag müssen sie ihre Fluchtwege ändern.
Der Roman läuft auf drei Ebenen – die Fluchtgeschichte der beiden Jugendlichen, die Aktivitäten des Carl Lutz sowie die Gegenwart des Achtundfünfzigjährigen.
Während Lutz die Eltern der beiden Jugendlichen durch eine abenteuerliche Rettungsaktion an der Grenze zu Österreich aus dem Todeszug heraussortiert und in einem ungarischen Krankenhaus versteckt, geraten er und seine Frau Gertrud selbst in Gefahr. Trotzdem gibt er seine heroischen Bemühungen nicht auf. Mitten im blutigen Häuserkampf und Massenerschießungen verrichtet Lutz seine mal mehr, mal weniger erfolgreichen Rettungsaktionen.

Der Ich-Erzähler und Vera müssen gleich zweimal aus Rotkreuz-Heimen fliehen, da ihr Leben auch dort bedroht ist.. Im Krankenhaus treffen die Beiden auf die Eltern des Jungen, die sich dort verstecken. Inzwischen begegnet Lutz auch Adolf Eichmann, der die Deportierung der ungarischen Juden leitet.
Es sind die letzten Tage der Schlacht um Budapest. Mit Hilfe von Carl Lutz’ Tagebuch schreitet der Ich-Erzähler die einstige Strecke ab, wo er auch als Junge gegangen war.

Der heutige Ich-Erzähler wird vom Schweizer Fernsehen nach Locarno eingeladen, um bei den Aufnahmen zu einem Film über Carl Lutz teilzunehmen. Schauplatz ist das Grandhotel in Locarno. Er erlebt, wie die Vergangenheit zur „Ware“, die Geschichte und menschliche Schicksale zur Filmvorlage werden.. Hier trifft er auch die Tochter von Carl Lutz. Durch sie werden vermisste Mosaiksteine zu der von ihm erlebten Geschichte hinzugefügt.
Die Familie flieht in das unter schweizerischer Obhut befindliche Haus. Die Pfeilkreuzler lassen die hier Untergekommenen zum Appell antreten.
Der Roman endet am Höhepunkt der Belagerung von Budapest und lässt das weitere Schicksal der Protagonisten offen. Ihre Zukunft ist nur daraus abzuleiten, dass der einstige Knabe achtundfünfzig Jahre später sich auf den Weg macht, die damaligen Geschehnisse aufzuklären. Doch geht es nicht nur um das Erforschen eines Einzelschicksals , sondern um das Beleuchten der Tiefe menschlichen Daseins.
„Spurensuche“ ist sowohl ein spannender Krimi als auch eine Heraufbeschwörung der dunkelsten Epoche europäischer Geschichte. Dabei werden Vergessen und Erinnern genau so betrachtet, wie die großen Fragen der Menschheit: Wer sind wir? Woher kommen wir? Haben wir einen freien Willen?





Kritiken / Reviews:

Bayerischer Rundfunk 2 (DE)
Élet es Irodalom (HU)
Jelenkor (HU)
JüdischeZeitung (DE)
Könyvpiac (HU)
Magyar Hirlap (HU)
Mittelbayerische Zeitung (DE)
Nepszabadsag (HU)
OE1 (AT)
ORF a.viso (AT)
Prof. Paul Lendvai (AT)
Sand am Meer (AT)
sf magazin (DE)
tachles (CH)
webcritics (DE)





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