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HU 2001 DE 2002 IT 2005
Arabeszk Die Grenzen der Vernunft I limiti della razionalità



László Mérö: Uj Észjárások (Die Grenzen der Vernunft – Kognition, Intuition und komplexes Denken)

390 S. (Ungarn, 2001)
Exposé


Das Thema ist dem von Optimal entschieden? ähnlich: Es geht um die Erforschung der Natur des rationalen Denkens. Während Optimal entschieden? dieses Thema aus der Sicht von John von Neumann’s Spieltheorie beleuchtet, und zugleich die Leitgedanken der Spieltheorie vorstellt, beleuchtet Die Grenzen der Vernunft das Thema hauptsächlich aus der Sicht der kognitiven Psychologie sowie der kognitiven Wissenschaft, und stellt die Ergebnisse dieser beiden Disziplinen vor. Wo unsere Gedankengänge dies benötigen, werden auch die entsprechenden Forschungsergebnisse der künstlichen Intelligenz erörtert.

Das Buch besteht aus vier Teilen.
Der erste Teil schildert in ungezwungenem, geistreichem Stil die Vielfalt des intelligenten menschlichen Denkens, und bereitet den Boden für gründlichere Untersuchungen vor. Der Leser lernt sowohl die Instrumente des logischen Denkens, als auch die der höchst intuitiven Denkweisen kennen, die sich meistens in den sogenannten modifizierten Zuständen (fernöstliche Meditation, Traum, Hypnose) bemerkbar machen, die aber auch in unserem normalen Bewußtseinszustand funktionieren. Es stellt sich heraus, daß sich diese des öfteren auch als wirksame Instrumente der Erkenntnis erweisen.

Der zweite Teil führt den Leser an die neuesten Erkenntnisse der kognitiven Psychologie und der kognitiven Wissenschaft heran. Diese haben die Natur des menschlichen Denkens in ein neues Licht gestellt. Der Begriff des kognitiven Schemas wird eingeführt. Durch die Untersuchungen des Funktionierens des kognitiven Schemas wird der Leser verstehen, wie Experten es fertig bringen - zumindest auf ihren Fachgebieten - so viel tiefer zu denken als normal Sterbliche. Als Modell dient in erster Linie das Denken der Schachspieler, doch stellt es sich alsbald heraus, daß die so erzielten Ergebnisse mit frappierender Genauigkeit auch auf andere Fachgebiete, sogar auf das Denken im Alltag zutreffen.

Der dritte Teil stellt die einzelnen Entwicklungsphasen des Fachwissens vor, vom Anfänger bis zum Großmeister. Der Stil dieses Teils ist zwanglos, humorvoll und zum Mitdenken anregend. Hier ist die Rede von den Eigentümlichkeiten der einzelnen Lernstufen, von der Eigenart des intuitiven Denkens, wie es sich mit der Begabung verhält, sowie von den gemeinsamen und spezifischen Charakteristiken der verschiedenen Fachgebiete. Dieser Teil endet mit einem Kapitel, das die Entwicklung der künstlichen Intelligenz, deren Perspektiven und Grenzen analysiert.


Das Bild im vierten Teil setzt sich mit Hilfe der zuvor ausgearbeiteten Details zusammen. Es zeigt sich, daß obwohl die Komplexität des rein rationellen Denkens ungefähr um eine Größenordnung kleiner ausfällt als die des intuitiven Denkens, dieses dennoch vorteilhafter ist, denn die so erzielten Ergebnisse (zum Beispiel die wissenschaftlichen Erkenntnisse) lassen sich hervorragend übermitteln, erlernen oder sogar lehren. Obschon das intuitive Denken imstande ist, einen viel größeren Bogen an Komplexität zu umspannen, werden seine Grundlagen durch die beim rationellen Denken gewonnenen Erkenntnisse gebildet. Hier knüpft ein separates Kapitel an, das sich mit der Natur des mystischen Denkens beschäftigt. Das Begreifen der Kraft und Grenzen des rationellen Denkens trägt erheblich bei; sowohl zum tieferem Verständnis für unser eigenes Denken, als auch zum sich Öffnen für Denkweisen, die von unseren abweichen. Dadurch können wir diese Ergebnisse bei der Lösung unserer Probleme wirksam verwenden.
Das Buch wird mit kurzen „Schlußthesen“ beendet, in denen die wesentlichen wissenschaftlichen Thesen kurz und bündig zusammengefaßt werden. Dieser Teil verhilft dem Leser zu einem einheitlichen Weltbild.

Die Grenzen der Vernunft ist leicht lesbar und daher für einen breiten Leserkreis empfehlenswert. Die Vermittlung der wissenschaftlichen Gedanken werden durch zahlreiche amüsante Beispiele aus dem Alltag unterstützt. Die das ganze Buch durchziehenden witzigen Zeichnungen von Miklós Miltényi sorgen auch für Kurzweil.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Einleitung
DIE VIELFALT DES DENKENS
1. Logisches Denken
   Logik der Dinge
   Formelle Logik
   Das Kartenproblem
   Das Scheckproblem
   Alltagslogik
   Männliche und weibliche Logik
2. Transzendente Logik
   Veränderte Zustände des Bewußtseins
   Schwierigkeiten der wissenschaftlichen Untersuchung
   Simulatoren der Hypnose
   Wie man die Simulatoren packt
   Der Begriff der transzendentalen Logik
   Menschliches Denken
   Logik des transzendentalen Denkens
   Transzendentale Logik im normalen Bewußtsein
3. Rätsel und Wissenschaft
   Rätselformen
   Wohl skizzierte Rätsel
   Wissenschaftsformen
   Wohl skizzierte wissenschaftliche Fragen
   Wissenschaftler und Rätselrater
   Holistik und Reduktionismus
4. Gegensätzlicher Wechsel ineinander
   Gesunder Verstand
   Ein verwandeltes Programm
   Annäherungen an die künstliche Intelligenz
   Kognitive Psychologie, kognitive Wissenschaft
   Psychologie als Naturwissenschaft
   Ausrutschen der Zunge im Laborexperiment
   Ineinandergehender gegenseitiger Wechsel
   Westliches und östliches Denken
   Es gibt viele Wege des Wissens
BAUSTEINE DES DENKENS
5. Denkstufen
   Die Hierarchie unserer Kozepte
   Verwirrende Hierarchien
   Gödel, Escher, Bach
   Konzeptformende Programme
   Wegweiser
   Neumann’s Prinzip
   das Eurisko-Programm
   Meta-Stufen
6. Kognitive Schemen 
   Das Konzept der Schemen
   Die Fülle der Schemenkonzepte
   Die magische Nummer Sieben
   Der Mensch als Werkzeug der Informationsübermittlung
   Kurzfirstiges und langfristiges Gedächtnis
   Zwei Arten des Gedächtnisses als Modell
   Epiphänomene
7. Die Menge der kognitiven Schemen
   Erste Hypothesen
   Experiment mit den Gedächtnissen von Schachspielern
   Einen einfache mathematische Ungleichheit
   Geschätzte Anzahl der Schemen
   Meister in den verschiedenen Berufen
8. Kognitive Schemen in der Praxis
   Die Schemen der Schachspieler
   Gedächtnis der Champions
   Training des kurzfristigen Gedächtnisses
   Eine Herausforderung für Programmierer
   Die Bedeutung des Problems
   Das MAPP Programm
   An 10.000 Bilder erinnern
DIE NATUR DER PROFESSIONELLEN KOMPETENZ
9. Vom Anfänger zum Meister
   Der Weg zum Meister
   Das Niveau des Kandidaten
   Schritte der beruflichen Entwicklung
   Intuitives Denken
   Das Erlernen eines Berufes
   Grenzen der Vermehrung der Schemen
10.Der Umfang eines Berufes
   Die schwierigen Bereiche des Lernstoffes
   Begabung
   Alltagssprache - Expertensprache
   Entwicklung der Spezialisierung innerhalb der Wissenschaft
   Möglichkeit des Berufswechsels
   Interdisziplinarität
11. Die Tiefe eines Berufes
   Klassifizierung der Schachspieler
   Tiefe des Schachspiels
   Tiefe anderer Bereiche
   Tiefe und Qualität der Schemen
   Schach- und Goprogramme
12. Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz
    Die Betrachtungsweise des „Strong Artificial Intelligence“
    Die Richtung der Entwicklung
    Die Schachkompetenz von „Deep Blue“
    Das SHRDLU Programm
    Methoden der Experten
    Wie kompetent sind die Methoden der Experten?
    Chancen der künstlichen Intelligenz
JENSEITS DER REINEN RATIONALITÄT
13. Grenzen der Rationalität
    Das Problem der endlosen Schleifen
    Die Theorie der begrenzten Rationalität
    Ohne Wegweisung geht es nicht!
    Zwei Grenzen der Komplexität
14. Kognitives Schema auf hohem Niveau
    Verankerung
    Verwendbarkeit(Verfügbarkeit?)
    Allgemeines Wiedererkennungsmuster
    Wegweisung für spezifische Wiedererkennungsmuster
    Vereinfachung und Intellektualisierung
    Das Schema der formellen Logik
    Wie vernünftig ist der Mensch?
15. Mystisches Denken
    Die Omnijektivtät (?) der Mystik
    Die höchste Meta-Stufe
    Östliche und westliche Denkweisen
    Holismus - erneute Reduktionismus
16.Der Trick der Evolution
    Die Lehre über das egoistische Gen
    Kulturelle Gene, Memen?
    Das Spiel „Die niedrigste Zahl gewinnt“
    Evolution und Vernunft
    Künstliche Evolution?
17. Wechsel der referierenden Systemen
    Häufigkeit der gödelschen Fragen
    Schwierigkeiten des Wechsels
    Die Leichigkeit (?) des Wechsels
    Die Überlebensmaschinen der Memen(?)
    Rivalität der Schemen
    Rivalität der Weltanschauungen
    Mittel des Ausdrucks
    Die letzten (entscheidenden?)gödelschen Fragen
SCHLUSSFOLGERUNGEN





Kritiken / Reviews:

Kritiken in Vorbereitung




Weitere Werke dieses Autors:

Csapodár Természete (Ich hab‘ doch meine Prinzipien!)
A pénz evolúciója (Die Biologie des Geldes – Darwin und der Ursprung der Ökonomie)
Mindenki másképp egyforma (Optimal entschieden? - Birkhäuser
Die Logik der Unvernunft - Rowohlt
Spieltheorie, und die Psychologie rationalen Denkens)

Az Érzelmek Logikája (Die Logik der Gefühle)


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