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HU 1995
A szalmakutyák szigete



Robert Hász: A szalmakutyák szigete (Arbeitstitel: "Insel der Strohhunde")

Erzählungen, 124 S. (Ungarn,Jugoslawien 1995)
Exposé


Das Buch enthält sechs eigenständige Erzählungen, die dennoch einer gewissen thematischen und chronologischen Kontinuität unterliegen.

Der alte Magier der Träume führt uns in die verschwommene, ferne Vergangenheit der Menschheit, in der die Wächter des Wissens, die Theoriemacher und die Denker versuchten, die Geheimnisse der Welt mit Hilfe von telepathischen Fähigkeiten zu enträtseln. Al-Mahmatall, einer der Denker, bekam die Aufgabe, die Träume zu erforschen, und während er im Geist eines Kindes umhergeht, macht er plötzlich eine verblüffende Entdeckung...

Die Gewißheit verarbeitet die seitens der Ufologen bestens bekannte biblische Geschichte des Hesekiel und ermöglicht dabei, die Ereignisse aus einem ganz neuen Blickwinkel zu sehen. Neben einem unbedeutenden Jünger, der zwar gegen seinen Willen Zeuge der merkwürdigen Visionen des Propheten sein wird, und diese für die Nachwelt aufzeichnet, wird der Prophet beinahe zur zweitrangigen Figur.

Dir erzähle ich es, mein Lysias spielt bereits in der Welt der griechischen Antike. Die Hauptperson der in Briefform gehaltenen Erzählung ist Nikias, der tragische Held des peloponnesischen Krieges. Die Athener belagern Syrakus und aus den Briefen des Feldherrn Nikias erfahren wir von seinem persönlichen Schicksal. Hier tut sich vor uns auch das von Intrigen durchgetränkte politische Leben im damaligen Athen auf. Es erscheinen die Figuren Alkibiades und Sokrates, doch projiziert uns all dies bereits den Untergang der griechischen Antike, die Epoche der verantwortungslosen politischen Abenteurer und der sinnlosen Kriege

Johannan beschwört die Zeit des Urchristentums herauf, und versucht dabei, die Entstehung des Buches „Apokalypse“ zu rekonstruieren. Der auf die Insel Patmos verbannte Johannan rechnet mit sich selbst, seinem Glauben und seinem Schicksal ab. Gleichzeitig fordert er direkt vom Himmel Rechenschaft für das verheißene Paradies und das Reich der Liebe, von denen der Meister sprach. Zwar fügt sich Johannan--dem Griechen Nikias ähnlich--seinem Schicksal, nimmt die Leiden an, die ihm zuteil werden, doch ist er bereits ein Rebel, der sich --im Gegensatz zu Nikias-- traut, die Gerechtigkeit der göttlichen Verordnung anzuzweifeln. Das Phantastische ist hier nur Mittel, wodurch das Irreale glaubhafter und realer wird und in menschliche Nähe rückt.

Bruder Marius’ Teufel könnte sogar eine klassische Faust-Geschichte sein, wenn nicht auch hier der typische eigenartige Standpunkt des Erzählers zur Geltung käme. Bruder Marius, der Novize macht sich mit seinem Meister, dem Pater zu einer Reise nach Lyon auf, - doch dann kommt etwas dazwischen... Freilich, es ist der Teufel, der sich hier einmischt, oder eher derjenige, der ihn heraufbeschwört hat. Wer jedoch am Schluß sitzen bleibt, und wer wen heraufbeschwört hat, ergibt sich erst aus der Geschichte. Hier fühlt sich der Mensch bereits befähigt, sich dem, für ihn vorbestimmten Schicksal zu widersetzen und den ihm genehmen Weg zu gehen. Allerdings hat auch der Teufel darüber seine eigene Meinung.

Die Insel der Strohhunde bringt uns eigentlich in die Gegenwart. Ein von der Welt überdrüssig gewordener Wissenschaftler zieht auf eine einsame Insel, wo er eine unglaubliche Entdeckung macht. Die zwei Protagonisten, die der Einladung des Wissenschaftlers folgend auf die Insel kommen, sind gezwungen, dem Professor bei seinen langen Ausführungen über die menschliche Geschichte zuzuhören, damit er am Schluß, quasi als Belohnung, seine Gäste in das Geheimnis seiner Entdeckungen einweiht.
Diese abschliessende Novelle sagt uns, daß die Geschichte, die vielleicht mit Al--Mahmatalls Gedankenlesen --oder sogar viel früher--begann, mit dem Computer ihr Ende erreicht hat. Die Zivilisation ist erstarrt, zu sehr der Materie verfallen, unfähig über sich hinauszuwachsen. Der Mensch muß aber von Neuem beginnen, nochmals, wie nach der Sinflut. Er wird aber nicht allein sein, denn wie der Teufel von Bruder Marius sagt: “Ich werde dort sein, weil ich dort sein muß, wenn der letzte Mensch von der Erdoberfläche verschwindet...und dann treffen wir uns wieder“




Kritiken / Reviews:

Kritiken in Vorbereitung




Weitere Werke dieses Autors:

Diogenész kertje (Der Garten des Diogenes)
Végvár (Für alle Ewigkeit)
A Künde (Der Herrscher der Seelen)
Júliával az út (Arbeitstitel: Der Weg mit Julia)


<-- Róbert Hász