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HU 2005 FR 2006 DE 2008
A Künde Le Prince et le moine Der Herrscher der Seelen



Róbert Hász: A Künde (Der Herrscher der Seelen)

Roman, 380 S. (Ungarn, 2005)
Exposé


Europa im 10.Jahrhundert. Um Kaiser Otto einen Streich zu spielen, bietet Papst Johannes XII den in Pannonien angesiedelten heidnischen ungarischen Stämmen die Krone an. Der Roman beginnt, als Otto’s Spione den päpstlichen Gesandten gefangen nehmen, weshalb mit der verbalen Botschaft des Papstes einer der Mönche des Benediktiner Klosters St. Gallen erneut aufbricht. Die Wahl fiel nicht von ungefähr auf Stephanus, den langjährigen Scriptor des Klosters. Der Abt Virgil von Aquilea hatte seinen Ordensbruder nie gemocht und Stephanus war überzeugt, dass ihn sein Chef mit dieser gar nicht ungefährlichen Aufgabe mit Absicht beauftragt hat. Es hat sich in der westlichen Welt herumgesprochen, dass die bis dahin europaweit plündernden Ungarn nach ihrer fatalen Niederlage gegen das Heer von Otto im Jahre 955 in tiefe Lethargie verfallen sind. Genaues wusste niemand, doch es war nicht ratsam, nach Pannonien zu reisen.
Als Mönch gekleidet begab sich Stephanus auf die Reise zu den Ungarn. Seine Ankunft und dortiges Schicksal wurden unterschiedlich festgehalten. Einer der Chronisten war Alberich, Schüler von Stephanus, der von Virgil von Aquilea erfährt, dass sein Meister inmitten der Erfüllung seines Auftrages im Land der Heiden als Märtyrer gestorben war. Der Abt beauftragt den jungen Scriptor, das Curriculum von Stephanus zu verfassen, um seine Heiligsprechung vorzubereiten.
Doch Alberich kennt diese Geschichte auch anders: Im Wald soll ein alter Mann leben, der mit dem tot geglaubten Stephanus identisch sei. Dieser sei vom Abt dorthin verbannt worden, weil er im Land der Heiden angeblich selbst zum Heiden wurde und somit dem Leben als Mönch unwürdig. Das Gerede wird zur Gewissheit, als Elsi, die Magd Alberich das Geheimnis verrät: Der Eremit ist tatsächlich Stephanus. Alberich ist verblüfft. Als er unverhofft die Hütte aufsucht, zeigt sich Stephanus wenig überrascht, als hätte er den Besuch erwartet.
Der alte Mönch bittet Alberich, seine Erzählung so festzuhalten, wie er sie schildert, damit auch seine Version für die Nachwelt verewigt wird.
Alberich scheint den Wunsch seines Meisters nachzukommen. Dabei verbessert er hie und da die nach seiner Auffassung nicht immer in die richtige Richtung gehenden Schilderungen.
Stephanus wird es erst während seiner wechselvollen Reise bewusst, dass es seinem Chef mit seiner Beauftragung hauptsächlich nicht um die Übermittlung der päpstlichen Botschaft ging. Vielmehr war Stephanus selbst die Botschaft samt dem von Virgil vor der Reise ihm überreichten Medaillon. Als Stephanus den Fluss Enns überquert und gefangen genommen wird, erfährt er, dass sich niemand um die päpstliche Botschaft schert. Viel mehr interessieren sich die Ungarn für die aus Angst geplapperten ungarischen Worte und das Medaillon, das man in seinen Kleidern gefunden hat. Dieses Medaillon hat für die Ungarn sakrale Bedeutung: Vor Jahrzehnten trug es ihr geistiger Führer, Kende Kurszán, der bei einer Verschwörung am bajuwarischen Königshof umgebracht wurde.

Im Jahre 904 wurden die ungarischen Stämme von zwei Fürsten geführt: Von Arpad dem Heersführer und Kurszán dem geistigen Führer. Die Bezeichnung des Heeresführers war „Gyula“, des geistigen Führers „Kende“. Daher der Titel des Romans. Der jeweilige Stamm des Kende war berufen, die Mythen, Sagen und Glauben zu bewahren. Als Arpad die Alleinherrschaft über die Stämme anstrebte, störte ihn der geistige Fürst-„Kollege“ immer mehr. Den Zwist verschärfte Kende Kurszán, indem er seine Liebe für eine aus Arpad’s zukünftigen Frauen entflammte. Arpad nahm sich die junge Schönheit mit Gewalt zurück. Die Frau gebar einen Jungen, namens Tas. Arpad wusste, dass Tas der Sohn von Kurszán ist.
Als die Ungarn beschließen, sich mit den Bajuwaren zu versöhnen, trauen diese den Worten der Ungarn nicht und wollen je einen Sohn des Gyula und des Kende als Pfand. Arpad bringt Tas und Kurszán kann nichts tun, er muß akzeptieren, dass von ihm zwei Söhne in den bajuwarischen Hof kommen, während von Arpad keiner...
Der Sündenfall, der seinen Schatten auf die ganze spätere Geschichte der Ungarn wirft, beginnt hier. Arpads Gefolgschaft zettelt eine Verschwörung gegen Kurszán an, der umgebracht wird. Auch die beiden Söhne, Csaba und Tas sollten sterben. Die Ungarn sind im Glauben, dass die beiden zusammen mit ihrem Vater umgebracht wurden. Doch die Jungen bleiben am Leben, sie werden von den Bajuwaren in separate Kloster verschleppt.
Als Stephanus mit seinem Kende-Medaillon plötzlich bei den Ungarn auftaucht, dazu einige ungarische Worte kennt und sich als guter Reiter erweist, glauben viele, dass Stephanus der Sohn von Kende Kurszán ist.
Selbst Stephanus ist verunsichert und beginnt selbst zu glauben, dass er der Sohn von Kende Kurszán ist, und dass er berufen ist, den Frieden zwischen den rivalisierenden ungarischen Stämme herzustellen.
Zu seinem Mönch-Abzeichen trägt er nun auch das Kende-Medaillon und als Kende eingeweiht. Mit der für ihn bestimmten Frau wird er auch die Liebe kennenlernen, was seiner Meinung nach dem Ordensgelübde nicht widerspricht.
Danach reitet Stephanus mit dem Heer in die Karpaten, um sich mit dem jungen Fürst Géza zu treffen. Jetzt wird er erst richtig durch schwere Prüfungen hindurchgehen. Eine Serie von Verrat, Intrigen nimmt ihren Anfang. Ihm wird immer mehr bewusst, dass die Sakralität und Respekt der Kende-Würde für immer verloren gehen. Selbst die Liebe des jungen Fürsten wird eher durch Intrigen bestimmt als durch wahre Gefühle. Allmählich glaubt Stephanus nicht mehr an seine Mission.
Als er die päpstliche Botschaft dem Fürsten Géza endlich überreichen kann, hat diese bereits jede Aktualität verloren. Ein neuer Papst wurde inzwischen geweiht. Fürst Géza wäre bereit, den erfahrenen Mönch weiter als Berater zu behalten und ihn als seinen Gesandten zum Papst zu senden, doch der Hochadel verhindert es. Stephanus muss fliehen. Als er den Fluss Enns überquert, sein Medaillon auszieht, sehnt er sich nur noch nach den friedlichen Gemäuer des Klosters. Doch Virgil von Aquilea will den unbequemen Ordensbruder nicht mehr und verbannt ihn in den Wald.


Auf Grund der Ungereimtheiten zwischen der offiziellen Fassung und Stephanus’ Erzählungen entdeckt Alberich bisher verschwiegene Momente, die es ihm ermöglichen, die wahre Identität von Stephanus zu enthüllen. Er ist Tas, der uneheliche Sohn von Kende Kurszán. Alberich konfrontiert den Abt mit seiner Entdeckung, denn dieser musste darüber Bescheid wissen. In der Tat, denn er selbst ist Csaba, der ältere von Kurszán’s Söhnen und er war es, dem Stephanus immer unbequemer wurde, bis er den Mönch mit der päpstlichen Botschaft zu den Ungarn schickte. Damit hatte er mehreres bezweckt: er hoffte, dass Stephanus umkommt, wollte Rache üben für den Mord an seinem Vater und hatte die Absicht sein Volk in die Familie christlicher Völker zu führen, um ihm ein besseres, zivilisiertes Leben zu ermöglichen. Während die Zukunft für Virgil die vollständige Streichung der Vergangenheit bedeutete, wollte Stephanus seine Mission erfüllen, indem er Vergangenheit und Zukunft harmonisch zusammenschweißt. Der Kampf zwischen den Beiden bleibt unentschieden, denn beim Tod von Stephanus kommt auch Virgil unter rätselhaften Umständen ums Leben.





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