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HU 1987
Az elhallgatás



Judit Fenákel: Az elhallgatás (Arbeitstitel "Das Verstummen der Juli Kellner")

Roman, 275 S. (Ungarn, 1982)
Exposé


Die Lehrerin und Journalistin Juli Kellner bekommt in den siebziger Jahren im kommunistischen Ungarn wieder einmal ein Disziplinarverfahren. Während der langweiligen Verhandlung versinkt sie in Träumereien. Sie macht einen Zeitsprung zurück in die Kindheit bzw.Jugendzeit.
Die scheinbar zusammenhanglosen Einzelheiten schildern ihre Isolierung in der dörflichen Grundschule, die Deportation und Verlust der Eltern, die heruntergekommene Wohnung ihrer Tante, wo das verwaiste Mädchen in den öden fünfziger Jahren Trost finden sollte. Doch selbst die guten Absichten ihrer Tante nützen wenig, denn Juli wird nach dem Lehrerseminar wegen ihrer Abstammung – der Vater war Rechtsanwalt, gehörte also nicht zur Klasse der Proletarier – an der Hochschule keine Aufnahme findet.
Da sie nicht willig ist, bei jeder politischen Hexenjagd mitzumachen, wird sie als Lehrerin in einen gottverlassenen Ort in der Provinz versetzt. Hier erlebt sie 1956 den Ungarn-Aufstand. Doch am Ende der Welt gibt es keine Revolution. Hier watet man bereits im Oktober bis zu den Knöcheln im Schlamm, in ihrem Zimmer raucht und stinkt der schäbige Ofen aus Gusseisen. Juli muß mit der Liebe ihres einzigen schmierigen Kollegen vorlieb nehmen. Sie muß sich gegen die Mächtigen am Ort behaupten und mit dem von jeglicher Zivilisation abgekoppelten Alltag fertigwerden.

Nach längerer Zeit findet sie doch noch Aufnahme an der Hochschule. Sie verliebt sich in einen der Dozenten, doch der erwidert ihre Gefühle nur oberflächlich. Bei der ersten Gelegenheit verlässt Juli die Hochschule. Als Redakteurin einer Studentenzeitschrift und später einer Tageszeitung wird sie bald von der kommunistischen Zensur ausgebremst.
Die Disziplinarverfahren verlaufen immer nachdem selben Strickmuster: Mal wird ihre Abstammung, mal diese oder jene Formulierung in ihren Artikeln beanstandet. Jedesmal steht Juli vor ihren Anklägern, die im Namen dres Sozialismus von oben auf sie herunterdonnern: Name? Geboren wann? Wo? Beruf des Vaters vor 1945? Und danach? Verwandte im Westen? Wo wohnen Sie? Als Mieter, Untermieter, Familienmitglied, Geduldete? Hatten Sie schon mal eine Geburt oder eine Abtreibung? Kinderkrankheiten? Kennen Sie den Briefträger?...- Noch beantwortet sie all diese Fragen.

Vorübergehend bekommt ihr Leben einen Sinn, denn Ihre Cousine zieht mit einem neuen Freund zusammen und gibt ihren vaterlos aufwachsenden Sohn in Julis Obhut. Die Zweisamkeit ist aber von kurzer Dauer. Um dem Wehrdienst zu entgehen, aber auch wegen der Zukunftslosigkeit nimmt der kleine Tamás die Einladung seines im Ausland lebenden Vaters bald an und bleibt bei ihm.
Aus der Redaktion des örtlichen Blattes wird sie herausgeekelt.Sie verschließt sich zunehmend. Zunächst kann sie nicht reden, später verstummt sie vollends. Dann beginnt Juli eine neue Beziehung mit einem Arzt. Könnte diese Liebe endlich die Wende in ihrem Leben bringen?

Judit Fenákel: „Missverständnisse und Erklärungsversuche begleiten uns ein Leben lang. Hören wir mal zwei Menschen zu. Sie sind im Stande, innerhalb kurzer Zeit sich mehrmals zu missverstehen. Obendrein beschränkt sich das Leben nicht auf den Dialog zweier Personen. Je mehr Leute sich einmischen, desto mehr Missverständnisse entstehen. Auf diese Herausforderung kann man verschieden reagieren.
Stimmen zum Roman:
„Az elhallgatás“ von Judit Fenákel ist ein ausgezeichneter Roman mit interessanter Handlung, hervorragendem Aufbau“
(Mercedes Patz in „Arany-Ezüst”)





Kritiken / Reviews:

Élet es Irodalom (HU)





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