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HU 2002
A fénykép hatoldala



Judit Fenákel: A fénykép hatoldala (Arbeitstitel "Die Rückseite des Fotos")

Roman, 302 S. (Ungarn, 2002)
Exposé


Der Roman ist die Geschichte der jüdischen Familien, Feldman und Manheim ab den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts bis in die jüngste Vergangenheit.

Orsolya Feldman flieht aus dem dörflichen Elend. Doch aus eigener Kraft schafft sie es nur auf die Bretter des Nachtlokals der Großstadt. Von da wird sie von einem der reichsten Spediteure des Landes „weg“-geheiratet und zur „gnädigen Frau“ gemacht.
Zuerst wird sie von ihrer Familie verstoßen, doch in der Hoffnung auf ein besseres Leben ziehen die Feldmans ihr in die Hauptstadt nach. Orsolya ignoriert sie lange Zeit. Moses Feldman handelt mit allerlei Trödelkram, womit er sich, seine Frau und die drei Kinder über Wasser hält.
Unvermutet meldet sich eines Tages die reich gewordene Tochter, sie würde dem ältesten Bruder, Móric die Ausbildung finanzieren. Móric lernt die Welt der Reichen und Einflussreichen kennen. Vater Feldman ist entschlossen dem anderen Buben, Andor die Ausbildung aus eigener Kraft ebenfalls zu ermöglichen.
Móric ist ein zielbewusster Junge mit einem starken Willen. In der Bank macht er schnell Karriere. Als Generaldirektor und Aktienbesitzer unterstützt er jetzt seinen Bruder, der mit seiner Hilfe in der Provinzstadt Várkony einen Großhandel eröffnet.
Móric heiratet die Tochter eines renommierten Verlegers, und Andor das schönste jüdische Mädchen der Stadt. Die Eltern sterben. Móric und Andor sind allseits respektierte Bürger, die versuchen, ihre jüdischen Wurzeln zu verdrängen. Ihre Kinder können sie im Wohlstand erziehen.

In diesen Wohlstand gerät der Student István Manheim, genannt Pista. Er ist der Einzige aus der Familie Manheim, dem es gelingt, aus der provinziellen Misere herauszutreten. Seine beiden Schwestern, Etus und Margit lässt der Vater mit dem Spruch: „Aus meinen Töchtern werden keine Schlampen!“ nicht weiter ausbilden.

Andor Feldman lädt jede Woche einen armen Studenten zum Mittagessen ein. So kommt auch Pista Manheim zu ihnen. Er verliebt sich sofort in Eva, Andors Tochter. Pista macht Bekanntschaft mit Wohlstand und gutem Benehmen. Die Beziehung hält nicht lange, Pista kann die ständigen Demütigungen in der Schule, das schmutzige Zimmer mit gestampftem Erdboden nicht ertragen.
Eines Morgens flieht er zu Fuß nach Hause. Seine Mutter erreicht, dass er als Lehrling beim besten Kurzwarengeschäft von Várkony anfangen kann. Er arbeitet sich schnell hoch. Hier, auf der anderen Seite des Ladentisches begegnet er erneut Eva Feldman. Obwohl die unverbindliche Beziehung zwischen Verkäufer und Kundin ihn nicht berechtigt, von Eva zu träumen, kann er sie sich nicht aus dem Kopf schlagen.

Um einen Anderen eifersüchtig zu machen, lädt Eva István zum Fasching ein, wo sie den ganzen Abend nur mit ihm tanzt. Von da an hat Pista ein einziges Ziel: Eva zu heiraten. Da er als Gehilfe nicht um ihre Hand anhalten kann, muss eine eigene Existenz her. Mit Hilfe größter Entbehrungen und geliehenem Geld eröffnet Pista seinen Laden im Außenbezirk von Várkony. Eva hat wegen dem damaligen Abend Gewissensbisse und sucht nach ihm. Hier macht sie ihn ausfindig, ihre Liebesbeziehung beginnt erneut.

Pista Manheim eröffnet ein Warenhaus auf dem Dorf. Alle haben Angst, dass das Mädchen aus betuchter, städtischer Familie sich auf dem Dorf nicht zurechtfindet. Doch Eva passt sich der Familie Manheim hervorragend an, statt die ihr zugedachte Rolle der Vorzeigegattin auszufüllen, hilft sie Pista bei den Büroarbeiten, kümmert sich rührig um ihre Schwiegermutter. Aus der Liebesheirat wird Vera geboren.

Auch Pista Manheim bekommt den Einrückungsbefehl zum Kriegsarbeitsdienst. In der katholischen Mädchenschule wird Vera immer wieder unverständlichen Demütigungen ausgesetzt, so dass Eva mit ihrer Tochter zu ihren Eltern nach Várkony flüchtet. Diese bedeuten für sie jedoch keine Stütze mehr, denn sie sind krank und alt geworden. Die Familie Manheim wird ins Ghetto deportiert. Einige von ihnen kommen beim Fußmarsch nach Auschwitz um oder werden in Auschwitz umgebracht.
Auch Eva Feldman wird deportiert, doch sie und Vera bleiben wie durch ein Wunder am Leben. Von der Illusion, dass sie das Leben nach dem Krieg dort weiterführen können, wo es unterbrochen wurde, muss sich Eva ein für alle Mal trennen. Weder Wohnung, noch Existenz, noch Verwandte auf die man zählen kann. Von den Kameraden ihres Mannes erfährt sie, dass Pista tot ist. Warten? Worauf, auf wen?
Eva stürzt sich in das spontan entstandene Gesellschaftsleben, sie hat eine heftige Affäre mit einem Schauspieler, der jedoch keinerlei feste Bindung eingehen will.
Sie zieht nach Budapest zu den Feldmans.
Móric will alles nicht wahrhaben was mit ihnen in 1944 passiert ist, weder den Tod seines Bruders noch den seines Sohnes. Bis eine erneute Deportation – diesmal als ehemaliger Ausbeuter – ihn aus seiner Neurose erweckt. Im abgelegenen Gehöft, wo die Familie Zwangsarbeit verrichten muss, stirbt auch Ida, die Frau von Móric. Merkwürdige Beziehungen entstehen unter extremen Umständen. Elemér, der Sohn von Móric heiratet Baronin Szeletzky, der er im normalen Leben nie begegnet wäre.
Inzwischen etabliert sich draußen das neue kommunistische Regime.
Frau Manheim, geborene Eva Feldman rettet sich aus dem Witwenstand in eine unmögliche Ehe nach Budapest. Selbst ihre Tochter lässt sie im Stich, obgleich Vera sehr auf die mütterliche Solidarität angewiesen ist, denn sie wurde wegen ihrer Herkunft nicht an der Universität zugelassen. Vera wird Verkäuferin in einem Buchladen. Sie lebt ihr Leben einsam.
Die Geschicke der vierten Generation verlaufen in verschiedenen Richtungen.
Aus der Ehe des Sohnes von Móric mit Baronin Szeletzky werden drei Kinder geboren. Manche können sich mit dem neuen Regime arrangieren, andere finden sich mit ihrer untergeordneten Rolle ab, wieder andere meinen, sie müssen ihre jüdische Herkunft verleugnen. Manche wandern aus nach Israel.?

Vera Manheim findet unverhofft einen Lebensgefährten. Es ist ein Arzt, den sie noch aus dem Krieg kennt. Vera versöhnt sich mit ihrer Mutter, das Ehepaar kümmert sich um die von allen verlassene, früher sehr schöne, inzwischen Mitleid erweckende alte Frau.
Vera kommt vom Einkauf nach Hause, sie hat sich vorgenommen, in der Wohnung zu putzen, als sie Eva Feldman vor dem laufenden Fernseher, indem gerade jemand eine Hetzrede hält, tot auffindet.

Meinungen zum Roman:

Trotz der gewichtigen Aussage ist Fenákels Roman keine schwere Kost, weil die Autorin immer mit Humor, Selbstironie und viel Liebe erzählt.
(Könyvvilág)

Seit längerer Zeit haben wir ich auf einen jüdischen Familienroman und genau so lange auf einen Roman über jüdische Frauen gewartet. Fenákels Buch bringt beides. Dabei steht gar nicht der Holocaust im Mittelpunkt, sondern eher die vor dem Holocaust existierenden jüdischen Werte, Geschmäcke, Düfte, die im heutigen kollektiven Gedächtnis kaum mehr zu finden sind.
(Esztertáska)

Ein echter Roman, der bis zu den Geheimnissen der Persönlichkeiten der Protagonisten vordringt.
(Könyvnet)

Die Autorin widmet sich in diesem Buch dem Leben der ungarischen Frauen mit allen Details und ihrer Einbettung ins jüdische Bewußtsein.
Judit Fenákel schreibt ein hervorragendes Ungarisch, das sich auch in diesem Roman bemerkbar macht
(Hans Skirecki)

Dem gebildeten ungarischen Leser braucht man Judit Fenákel und ihren Platz in der ungarischen Literatur nicht extra herauszustellen.
(Imre Kertész)





Kritiken / Reviews:

Kritiken in Vorbereitung




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