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HU 2009
Zsákpapirok



János Gosztonyi: Zsákpapirok (Arbeitstitel „Sackpapiere“)

Roman, 269 S. (Ungarn, 2009)
Exposé


Was schrieb János Gosztonyi auf Papiere aus Zementsäcken? Einen Roman, Seine Memoiren, sein Tagebuch oder vielleicht eine absurde Geschichte?
In „Zsákpapirok“ möchte der Autor Zeugnis ablegen von dem Ungeheuerlichen, das er im Konzentrationslager Dachau erlebt – und wider Erwarten überlebt hatte. Der 1926 geborene Gosztonyi ist einer der wenigen noch Lebenden, der seine Erlebnisse aus dem Konzentrationslager Dachau authentisch und auf hohem literarischen Niveau erzählt.

Daniel Goldschmidt ist ein armer Junge aus gutem Haus. Er verehrt die Deutschen und kann sich nicht vorstellen, dass sie zu soetwas fähig wären, doch als die öffentlich verkündeten Absichten zu Taten werden, beginnt er für sein Leben zu kämpfen.
1944 versucht man im KZ Dachau täglich mehrmals, das Erleben des nächsten Tages zu verhindern. Doch Daniel hat nur ein Ziel vor Augen: Die nächste Minute zu überleben, denn aus den Minuten könnten größere Zeiteinheiten werden, und so könnte man sogar das ganze Unheil hinter sich bringen…
Er strengt sich unglaublich an für winzige Vorteile, wofür ein freier Mensch keinen Finger krumm machen würde. Nach unvorstellbaren seelischen und körperlichen Leiden kommt Daniel am Ende des Krieges frei. Er kehrt nach Ungarn zurück.

Soeben aus dem KZ gekommen, ist er schon wieder suspekt. „Mein Freund, der Klassenkampf ist voll im Gange und Du bist schon wieder auf der falschen Seite“ – hört er. Zwar ist sein Leben im kommunistischen Ungarn nicht direkt bedroht, seine Ehre umso mehr. Da in der brauen Welt Moral kein Thema war, versucht er nunmehr anständig zu leben. Aber es ist unmöglich. Das ganze ist so konstruiert, dass es nicht gehen kann. Im kommunistischen Ungarn kann man nur mit Unredlichkeit, Lügen und Heuchelei ein halbwegs normales Leben führen.

Im KZ rettet ihn das körperliche Fieber vor dem Verderben, jetzt ist es das Fieber der schöpferischen Tätigkeit des Künstlers, das ihn nicht untergehen läßt. Als Schauspieler und Dramatiker hat er anfänglich Erfolg – und dann von Zeit zu Zeit wieder. Es ist die Familie, die Daniel Zuflucht bedeutet. Sie verlangt von ihm Pragmatismus und Selbstlosigkeit.
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Gosztonyi hat ein außerordentlich berührendes Buch geschrieben. Durch Ironie und Sprachwitz sowie Gespür für Situationskomik bringt er den Leser selbst in den Szenen des Grauens oft zum Lachen.
Gelungen ist auch die Erweiterung des Holocaust-Romans durch die Beschreibung der aus der Deportation zurückgekehrten Juden im Nachkriegsungarn. Das dürfte den wenigsten deutschen Lesern in dieser Eindringlichkeit präsent sein.

Auszüge aus ungarischen Kritiken:

„Zsákpapirok“ ist ein erschütternder Roman über den Willen zum Überleben. Nach Kertész und Semprun kann Gosztonyi als Überlebender noch immer neues über den Greuel im Konzentrationaslager erzählen.

(Tisztelet Újság)

Von einem der unmenschlichsten Kapitel der Geschichte erzählt János Gosztonyi – sehr menschlich, oft mit beissender Ironie… „Zsákpapirok“ endet nicht mit einem Happy End á la Hollywood sondern im immer unerträglicheren, real existierenden Sozialismus.

(Index Forum)

Die Spannung und das unvorstellbare Leiden kann man erst durch Gosztonyis Sarkasmus und Sprachwitz ertragen. Das ist große Literatur. Der Roman erfährt durch den erstarkten ungarischen Neonazismus zusätzliche, schmerzliche Aktualität.

(Szakszervezeti Hiradó)





Kritiken / Reviews:

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<-- János Gosztonyi