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HU 2010
Júliával az út



Róbert Hász: Júliával az út (Der Weg mit Julia)

Roman, 179 S. (Ungarn, 2010)
Exposé

Der Roman spielt im ehemaligen Jugoslawien, Ende der 80-er Jahre.
Ein Mann und eine Frau sitzen im Auto. Die Frau ist Julia… sie erzählt.

Die Mutter von Julia wird vorzeitig Witwe. Oszkar, der Bruder ihres Vaters und der vermögende Großvater bringen Julia und ihre Mutter durch einen Komplott um die ihnen zustehende Erbschaft, weshalb das Leben der beiden Frauen voll von Entbehrungen ist. Julia ist zehn Jahre alt, als ihr Vater an einer schweren Krankheit stirbt. Ab da ist ihre Mutter Kantorin der Dorfkirche. So kann sie ihre kärgliche Witwenrente etwas aufbessern und Julia kann an der Universität studieren. Sie lebt eingebunden in der Gemeinschaft ihrer Mutter und deren vier Geschwister.

Bei den Geschwistern ist Julias Onkel, Oszkar immer wieder das Thema. Man schimpft über ihn, der die Erbschaft von Julia und ihrer Mutter ergatterte, damit er seine Villa am Meer mit einem zusätzlichen Stockwerk erweitern kann. Dieses Haus soll eigentlich – so weiß es die Familie – von Mai bis Oktober als Bordell dienen und Onkel Oszkar ein Vermögen bescheren, schließlich wimmele es an der montenegrischen Küste in der Touristensaison von Deutschen und Holländern.
Onkel Oszkár, den Julia gar nicht richtig kennt, soll an der ganzen Misere der Familie schuld sein.
Im Jahre 1989 ist Julia fast schon fertig mit ihrem Studium, als Oszkar unverhofft bei ihr erscheint. Zu ihrer Überraschung lädt er sie in sein Haus am Meer ein. Sie versteht nicht, was er von ihr will – er, der Verursacher allen Elends ihrer Familie…
Oszkár erzählt: Als sein Bruder, Julias Vater schon schwer krank war und es ihm bewußt war, dass seine Tage gezählt sind, hätte er ihn zu einem Versprechen genötigt. Dieses Versprechen wolle er, Oszkar nun einlösen.
Schlußendlich nimmt Julia die Oszkars Einladung an. Ab da geht Julia mit ihrer Erzählung ins Detail, als würden diese am Meer verbrachten Wochen in ihrer Erinnerung einen besonderen Platz einnehmen.
Im Haus am Meer verrät Oszkár Julia, was er vor neun Jahren ihrem Vater auf dem Sterbebett versprochen hat, nämlich daß er versucht Julia aus dem Millieu herauszuholen, was ihm selbst ein Leben lang kaum gelang. Julias Vater wäre überzeugt gewesen, daß die Geschwister seiner Frau mit all ihrer Arroganz und Habgier Julia zugrunde richten würden.
Onkel Oszkar hatte die ihm aufgetragene Aufgabe so gelöst, daß er durch die Aneignung des Grundstückes Julia indirekt zwang, in die Stadt zu ziehen und, sich an der Universität einzuschreiben, denn er sei überzeugt gewesen, daß die Geschwister von Julias Mutter das Vermögen verprasst hätten bevor Julia volljährig ist. Er hat sein Geld in der Tat in ein Bordell investiert, wo es sich während er als Matrose auf See war, zugunsten von Julia vermehren sollte. Nun gehört dieses schöne Haus mit Meerblick ihr. Julia kann sich mit dem Gedanken, am Meer eine
solche Villa zu besitzen nicht anfreunden und so genießt sie vorerst einfach den Sommer, sie geht baden, bereitet sich auf ihre Prüfungen vor, oder hört den Erzählungen von Onkel Oszkar zu.

Bei einem Spaziergang entdeckt Julia im naheliegenden Wald eine Hütte, wo sie den jungen Soldat Agoston kennenlernt. Er absolviert seinen Wehrdienst bei der Grenzwacht in Ulcinj. Die Hütte hatte Onkel Oszkar so eingerichtet, dass der junge Mann dort während seiner Dienstzeit seinen schriftstellerischen Neigungen nachgehen kann. Geschickt fädelt Onkel Oszkar ein, daß Julia und Agoston sich näher kommen, ihre Beziehung entwickelt sich allmählich zu Liebe. Onkel Oszkar erzählt Julia, dass er in Agoston sein jugendliches Alterego erkannt hätte, jemanden, der seinen Platz in seiner Umgebung auch nicht findet.
Die Liebe zu Agoston verändert Julia. Das früh zur Waise gewordene, verschlossene, stets zielstrebige, unnahbare Mädchen beginnt aufzutauen. Dabei merkt sie nicht, daß sie genau die von ihrem Onkel ihr zugedachte Rolle spielt mit dem Ziel, ihn von seinen Gewissenbissen zu befreien. Die Einladung, der Aufenthalt am Meer, ihre Bekanntschaft mit Agoston, all das ist Teil eines Planes. Oszkar ist nämlich überzeugt, daß die Schicksale sich im ewigen Kreislauf wiederholen. So erkennt er in Agoston sein und in Julias das Schicksal ihrer Mutter. Erst nachträglich zuhause wird Julia all dies bewußt.

Agoston wird aus der Armee entlassen, Er lebt mit Julia zusammen.
Bei einem Disput gesteht ihre Mutter, daß ihre große Liebe schon immer Oszkar war, der sie aber verlassen hätte, als er sich vom Meer magisch angezogen fühlte. Eine Zeit lang wartete sie auf ihn, doch er kam nicht. Um von der Familie loszukommen, heiratete sie Oszkars Bruder, den Vater von Julia. Jetzt wird Julia klar, daß im Haß ihrer Mutter gegenüber Oszkar die alte Liebe zum Ausdruck kommt.

In ihrer Erzählung erreicht Julia das Jahr 1991, den Beginn des Balkankrieges.
Agoston erhält seine Einberufung zum Militär, da er aber im Gemetzel nicht teilnehmen will, setzt er sich nach Ungarn ab.
Julia kommt jeden Monat zu ihm über die Grenze. Bei einem dieser Treffen erzählt ihr Agoston, daß er einen Einwanderungsantrag in der schwedischen Botschaft gestellt hätte.
Julia bleibt weiter im nunmehr abgeschottenen Serbien, wo sie Jahre mit Warten auf Agoston verbringt, dessen Anrufe immer seltener werden.
Nach Jahren, als der Krieg zu Ende ist, geht auch zusehends die Jugendzeit vorbei. Eines Tages kommt Agoston aus Schweden nach Hause und fragt Julia, ob es für sie noch die Hoffnung für ein Zusammenleben gibt. Sie antwortet: Ja, die gibt es, und zwar dort im Süden, wo sie ein Haus am Meer besitzt. Dort wo alles begann.
Sie steigen in ein Auto und fahren los. Julia erzählt Agoston von einem Roman, den sie in den einsamen Jahren geschrieben hat. Über ihre Familie, über sich, über ihre Liebe. Diesen Roman lesen wir.
Am Ende des Romans erreicht das Auto mit den zwei Reisenden, Julia und Agoston – dessen Identität erst auf den letzten Seiten zum Vorschein kommt, das Meer, in der Hoffnung, daß es für eine gemeinsame Zukunft noch nicht zu spät ist….




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