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 Az éjszaka mélyén Husar in der Hölle Au fonds de la nuit 1914



Iván Sándor, Az éjszaka mélyén (Husar in der Hölle)

Roman, 180 S. (Ungarn, 2012)
Exposé


Der Autor wird zu einer literarischen Lesung in eine deutsche Stadt eingeladen. Thema des Abends: Der Krieg in der Literatur. Die Lesung wird von einer Fotoausstellung umrahmt. Dem Autor werden die Fotografen, die Französin Susanne-Alyette Picard und der Ungar András Jllés vorgestellt. Auch aus den Familienalben der beiden Künstler gelangt je ein Foto in die Ausstellung.
Auf dem einen ist die Mutter der Französin mit einem jungen Soldaten in französischer Uniform in 1918 zu sehen. Das andere ist ein in Lemberg, an der russischen Front aufgenommenes Familienfoto. Derselbe junge Mann ist hier in der Uniform der Habsburg-Monarchie.
Die Fotografen erzählen die Geschichte der beiden Fotos…

1914, kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges tritt der ungarische Student Adam Kiss eine Reise als Belohnung nach Paris an. Kaum kommt er dort an, bricht der 1.Weltkrieg aus. Die Grenzen werden geschlossen. Er wird vor die Wahl gestellt: Entweder wird er als Bürger eines feindlichen Staates (Österreich-Ungarn als Verbündeter Deutschlands) interniert oder er wird als geübter Reiter in die französischen Armee rekrutiert. Adam wird französischer Soldat.

In der Schlacht um Marne wird er verwundet und gerät in deutsche Gefangenschaft.
Bei einem Kontrollbesuch im Gefangenenlager verrät Adam einem Offizier der Monarchie seine ungarische Herkunft. Er wird unverzüglich mit dem österreichisch-ungarischem Husarenregiment an die russische Front geschickt. Nach der Schlacht um Lemberg irrt er verwundet auf den Schneefeldern herum, bis er wieder zum Rest seines Husarenregiments stößt. Adam bekommt drei Tage Urlaub, lernt dabei Anna kennen. Ihr Vater ist ein angesehener Professor in Lemberg. Die Familie ist jüdisch. Ein Familienfoto mit Adam entsteht.
Das ist das eine Foto, von dem achtzig Jahre später András Jllés erzählt.
In der Nacht kommen sich Anna und Adam näher…Für die Liebe lässt der Krieg mehr als eine Nacht nicht zu.
Lemberg wird von den Kosaken erstürmt. Sie ermorden Annas Familie.

Adam wird an die Süd-Front nach Italien abkommandiert.
In der Entscheidungsschlacht am Piave wird er erneut schwer verwundet. Er wird in ein französisch/italienisches Lazarett gebracht.

Es wird die Geschichte der Alyette-Laurentis Tholoson (Mutter von Susanne-Alyette Picard) erzählt. Während des Krieges heiratet sie den französischen Offizier, Henri Picard. Damit sie in seiner Nähe bleiben kann, wird Alyette Krankenschwester in einem Lazarett bei Piave. Es ist das Lazarett, wo Adam sich erholt. Einer der Ärzte fotografiert die Beiden.
Das ist das andere Foto, deren Geschichte Susanne-Alyette Picard achtzig Jahre später erzählt.
Auf dem Foto sind Alyette-Laurentis Tholoson und der unbekannte Vater von Susanne-Alyette, der ungarische Husar zu sehen.
Nach eine stürmischen Liebesnacht muss Adam aus dem Lazarett fliehen. Er ist wieder bei seinem KuK-Regiment. Nach der Schlacht am Piave bleiben nur ganz wenige am Leben. Adam Kiss wird von seinem Kommandanten gerettet. Sie marschieren zu Fuß Richtung Heimat.
Nach dem verlorenen Krieg – in der Zeit der Weimarer Republik - beginnt in Ungarn ein erbarmungsloses Gemetzel zwischen „roten Revoluzzern“ und weißen „Konterrevoluzzern“. Adam wird von seinem Kommandanten den Weißen zugeteilt.
Jetzt wird ihm bewusst, welchen seelischen und körperlichen Krüppel der Krieg aus ihm gemacht hatte. Als ihm befohlen wird, einen unschuldigen Menschen zu erschießen, weigert er sich, obwohl er weiß, dass dies ihm das Leben kosten wird…
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Ars Poetica:
Mit dem Ersten Weltkrieg ist das Europa vieler Jahrhunderte untergegangen. Das Reich der Hohenzollern, Habsburger, Romanovs verschwand. Geblieben sind viele Unlösbarkeiten im Leben einzelner Menschen, Nationen. Erst später erfahren nachkommende Generationen, dass das Gemetzel des Ersten Weltkrieges der Vorbote des noch verheerenden Zweiten Weltkrieges war.
Da im Ersten Weltkrieg der Kampf Mann gegen Mann noch Alltag war, wird der Protagonist ständig mit der Hölle konfrontiert, denn auf dem Spiel steht immer sein Leben. Wer nicht mordet, wird ermordet. Im Krieg schrumpft das Ich auf seinen Kern, und selbst dieser wird später aufgerieben. Einige kurze Liebesabenteuer verhelfen Adam, die Hoffnung des Überlebens nicht ganz aufzugeben. Die Geschichte des Adam Kiss führt uns schließlich vor Augen, dass es dem Bösen zu widerstehen immer möglich ist.

Sprache:
Längere, verschachtelte Sätze werden gemieden. Es wird alles in galoppierendem „Husaren“-Tempo auf den Punkt erzählt.

Zielpublikum:
Der Roman spricht hauptsächlich Leser an, die sich für Geheimnisse, Abenteuer und die Zusammenhänge der Geschichte des 20.Jahrhunderts interessieren.


Aus ungarischen Kritiken:

Vielleicht ist „Die Leben des Adam K.“ in der Weltliteratur der erste Roman, der das Schicksal eines Menschen im Ersten Weltkrieg in solch umfassendem Zeit- und Ortsrahmen erzählt.
(Mária Illényi in Könyvhét)

Während die Romanciers Céline, Remarque und Solohov die Schlachten des Ersten Weltkrieges aus dem Blickwinkel ihrer Nationen erzählen, schildert Iván Sándor sie aus dem jeweiligen Blickwinkel der gegeneinander kämpfenden Nationen. Es gibt hier keinen eindeutigen Sieger im moralischen Sinn. Dank hervorragender Gliederung des Buches reißen die Ereignisse den Leser stets mit.
(István Margocsy im Prae.hu)

Die Handlung übermittelt den Grundgedanken mit großer Intensität: Was geschehen ist, findet irgendwie kein Ende, die Zeit, wie auch die Geschichte sind geheimnisvoll und unaufhörlich. Ein starkes Buch von Iván Sándor.
(Gábor Ménesi in Jelenkor)

Mit seinem bis zur Leidenschaftslosigkeit enthüllten dichten Erzählstil weitet Iván Sándor die Handlung des Romans zu einer kosmischen Vision aus. Die Erinnerung ist hier nichts anderes als der jämmerliche Beweis zufälligen Überlebens.
(Gábor Murányi in Heti Világgazdaság)  

„Die Leben des Adam K.“ weder urteilt noch verurteilt, die Rollen für Opfer-Täter, Befehlshaber-Befehlsempfänger werden nicht verteilt, vielmehr werden die aktuellen und späteren Konsequenzen der Entmenschlichung des Krieges in einen gemeinsamen Höllensack gesteckt. 
(Attila Bombitz in Könyvpiac)

Dieser hervorragende Roman ist gewiss die Spitze unter den bisherigen Sándor-Romanen. Er ist in der Tat der erste europäische Roman, dessen Geschichte alle europäischen Fronten des ersten Weltkrieges berührt.
(Tamás Ungvári –atv-Fernsehen)





Kritiken / Reviews:

Kritiken in Vorbereitung




Weitere Werke dieses Autors:

Drága Liv (Geliebte Liv)
Követés (Spurensuche, eine Nachforschung)
Arabeszk (Arabesque)
Az Argoliszi-öböl (Arbeitstitel: Der Argolische Golf)


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