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HU 2011
Éneklö folyó



Margit Halász: Éneklö folyó (Der singende Fluss)

Roman, 167 S. (Ungarn, 2011)
Inhaltsangabe


Der bereits zu Beginn postulierte Satz „eine gute Metzgergattin muss Blut lieben“ erweist sich als das zentrale Problem der Geschichte: Mari Eisen, die Hauptfigur des Romans, liebt kein Blut, im Gegenteil, ihre Aversion dagegen wird immer unüberwindlicher. Was zu erheblichen Schwierigkeiten führen kann, wenn man mit dem Dorfmetzger verheiratet ist. Dennoch ist diese sich an den Ufern der Theiß zutragende Geschichte nicht nur ein Liebesdrama à la Anna Karenina. Hier vermengen sich rohe Leidenschaft mit einer geradezu sezierenden Realitätstreue sowie mythische Elemente mit alten Märchen, Legenden und Sagen aus der Theiß-Gegend. So wird der Leser nicht nur Zeuge des Dramas zwischen Mari und ihrem Mann, welches tragisch endet, sondern erlebt auch die glücklich endende Liebesgeschichte zwischen zwei sagenhaften Wasserungeheuern, die sich seit Jahrhunderten im Wasser der Theiß suchen, bislang aber nicht zueinander finden konnten.
Die Handlung, die sich in der Realität abspielt und deren Protagonisten ganz normale Menschen sind, ist im Grunde eine alltägliche Geschichte, die sich egal wo in der Welt so zutragen könnte: Eine Frau, die einst als junges Mädchen so hochtrabende Pläne geschmiedet hatte, hat in den zwanzig Jahren ihrer Ehe komplett vergessen, dass sie einmal eine weltberühmte Malerin hatte werden wollen. Doch eines Tages entdeckt sie, dass es vielleicht noch nicht zu spät ist, dass sie ihren Traum vielleicht noch verwirklichen kann. Jedoch werden die Ereignisse immer wieder von unerwarteten Situationen verkompliziert. In der Dorfschule, in der die Frau – Mari Eisen – als Lehrerin arbeitet, taucht plötzlich ein junger Mann auf, ein aus Italien heimgekehrter Maler zigeunerischer Herkunft. Mari und Renátó verlieben sich und fliehen. Während sie sich in der zauberischen Vegetation des Theiß-Ufers versteckt halten und für ein paar Tage lang leben, wie Adam und Eva im Paradies, wird durch ihre Flucht das gesamte Dorfleben aus den Angeln gehoben.
Doch die Idylle dauert nicht lang. Renátó, der ewige Vagabund, verlässt unvermittelt sowohl das Dorf als auch seine Geliebte, die ein Kind von ihm erwartet. Der rachsüchtige Gatte bereitet erst Maris Lieblingsferkel ein Ende, bevor von unaufhaltsamen Leidenschaften alle und alles in den Abgrund gerissen werden.
Ironie des Schicksals: Genau in dem Augenblick, als in den Beziehungen der Menschen alles in die Brüche geht, findet das Wasserungeheuerpaar zueinander. Der hinreißende Gesang, den die beiden anstimmen, lässt die Illusion entstehen, dass der Fluss singt. Indes Mari tot am Wassergrund liegt.





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Weitere Werke dieses Autors:

A vörös nyelvü párduc (Der Panther mit der roten Zunge)


<-- Margit Halász